Durchschnittlichkeit – Eine Bedrohung für Kreativität und Innovation

Immer, wenn Sir Richard Branson etwas schreibt, dann lese ich es mit großer Freude. Manchmal, ja manchmal, schreibt er auch etwas, bei dem mir im Nachhinein bewusst wird, dass dieselben Gedanken auch mir schon in den 20 Jahren meiner Karriere durch den Kopf gegangen sind. So geschehen in seinem Blogpost: The end of Average https://www.virgin.com/richard-branson/end-average

Er beginnt mit dem Zitat von Harvard Todd Rose aus seinem Buch: The End of Average: How We Succeed in a World That Values Sameness (http://www.amazon.com/The-End-Average-Succeed-Sameness/dp/0062358367)

„We need to realise that there is no such thing as an average human, and stop measuring ourselves according to arbitrary yardsticks with no real basis in human nature.“
(Rose, 2016)

Nicht alleine habe ich dasselbe wie Richard durch die gesamte Schul- und Studienzeit hinweg erlebt, auch bereits im ersten selbst gegründeten Unternehmen fand ich den immer wieder auftauchenden Gedanken unnatürlich bizarr, dass es angeblich so etwas, wie einen dem Durchschnitt entsprechenden „richtigen“ Typ Angestellten, den „richtigen“ Typ Unternehmer, den „richtigen“ Typ Studenten und nicht zuletzt den „richtigen“ Typ Mensch geben sollte.

Das heißt wohl, es existiert irgendwo ein Regelbuch, in dem steht, wie man zu sein hat, um innerhalb der Gesellschaft „richtig“ zu sein. Irgendwo hat irgendjemand durch Beobachtung und Messung Daten erhalten und mit Statistik Know-How Mittewerte berechnet, an denen man sich nun selbst „benchmarken“ kann.

Ist nicht nur die Annahme schon sehr fragwürdig, dass es überhaupt so etwas geben könnte, wie die quantifizierbare „Richtigkeit“ eines Individuums, ist es sogar verwerflich, überhaupt einen Gedanken an ein Konzept zu verwenden, in dem der angegebene Durchschnittswert von der Realität so weit entfernt ist.

 

Die besondere Bedrohung dieses Konzepts verdeutlicht ein Zitat Albert Einsteins.

“Jeder ist ein Genie! Aber wenn Du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist.”

Folglich setzt ein (- insbesondere in Deutschland -) sehr beliebter Mechanismus ein, nämlich die Defizitorientierung, bei der sehr viel Zeit darauf verwendet wird, an so genannten Schwächen zu arbeiten, um jeden auch dort auf wenigstens den Durchschnitt zu bringen. Wie Einstein es beschreibt, bedeutet das auch – und insbesondere – für besonders Kluge eine permanente und demotivierende Konfrontation mit ihren sogenannten Defiziten. Ihre besonderen Fähigkeiten, dagegen, werden zurückgestutzt und verkümmern schließlich, weil sie als nicht systemkompatibel angesehen werden.

Aus dem Bildungssystem resultiert dann ein Haufen dem Durchschnitt entsprechend ausgebildeter und gleichgeschalteter Absolventen, die durch ihre „Schwächen“ gebremst werden und deren „Stärken“ nicht wirksam werden können, weil diese nie gefördert wurden.

Die besondere Tragweite für Innovation und Kreativität liegt nun darin, dass die Absolventen sich lange nur mit der Annäherung an ein fehlerhaftes Konzept vorgeblicher Richtigkeit beschäftigt haben und auch nur dieses kennen. Wie also sollen sie innovative und kreative Lösungen außerhalb dieses Bezugssystems entwickeln können?

Will man nun wirklich innovativ sein und vielleicht auch disruptive Innovationen erschaffen, ist es unerlässlich, Lösungen auch außerhalb dieses Bezugssystems zu suchen. Damit das aber funktioniert, muss man erst einmal dazu bereit sein, zu erkennen, dass neben dem vorgeblich „richtigen“ Bezugssystem, dem Durchschnitt, eine ganze Reihe an „Alternativsystemen“ existieren, die nicht besser, aber eben auch nicht weniger gut sind.

Neben der Offenheit gegenüber alternativer Perspektiven ist aber auch das willkommen heißen von Andersartigkeit und das konsequente Ausbauen von Potenzialen voraussetzend. Innovative Systeme sind deshalb so gestaltet, dass sich die Menschen nicht in ihnen einordnen und anpassen müssen, sondern, dass sie sich um die besonderen Bedürfnisse der Menschen anordnen.

 

Dies widerspricht in weiten Teilen der heutigen Gestaltung von Organisationen.

Roqsta geht deshalb einen anderen Weg: Was wir machen ist „Enterprise Recycling“, das heißt die Neuanordnung des Vorhandenen.

Wir haben erkannt, dass viele Menschen in Unternehmen nicht entsprechend ihres individuellen Profils eingesetzt, sondern stattdessen oftmals mit Aufgaben betraut werden, bei denen sie ihre individuellen Stärken nicht voll ausleben und dem Unternehmen zugutekommen lassen können.

Diese Erkenntnisse fließen auch in unser Recruitment ein. Fachliche Kompetenzen sind wichtig, in welcher Domäne diese erworben wurden ist aber zweitrangig. Wir fordern keine standardisierten Einheits-Lebensläufe, sondern sind offen gegenüber kommunikationsfähigen, sozial kompetenten und innovativen Persönlichkeiten mit vielleicht auch etwas „schrägen“ CVs.

 

Literaturverzeichnis

Branson, Richard. 2016.  https://www.virgin.com. [Online] Virgin Inc., 21. 1 2016. [Zitat vom: 5. 3 2016.] https://www.virgin.com/richard-branson/end-average. -.
Rose, Todd. 2016. The End of Average: How We Succeed in a World That Values Sameness. Harvard : HarperOne, 2016. ISBN-13: 978-0062358363.

Beitragsbild: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51BfYqW4LOL._SX328_BO1,204,203,200_.jpg

Meet The Author

Managing Director at roqsta digital transformation experts

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